Integriert & akzeptiert
Integriert & akzeptiert in der Gemeinde
Seit knapp 70 Jahren ist die Bundeswehr in Stetten am kalten Markt beheimatet. Heute ist die Garnison mit rund 3000 Soldaten, Soldatinnen und zivilen Mitarbeitenden der größte Standort der deutschen Streitkräfte in Baden-Württemberg.
Rückblick: Am 12. Dezember 1959 zogen das Panzerbataillon 294 aus Großengstingen (Kreis Reutlingen) und die Panzerjägerkompanie 290 aus Murnau am Staffelsee (Bayern) als erste Bundeswehr-Verbände im Lager Heuberg ein.
Am 1. Januar 1960 übergaben die französischen Streitkräfte, die seit Ende des Zweiten Weltkrieges dort stationiert waren, Teile des Lagers Heuberg und den Truppenübungsplatz den deutschen Streitkräften, die in der Folgezeit alle militärtechnischen Einrichtungen erneuerten oder ausbauten.
Zwischen 1962 und 1966 entstand westlich des Lagers Heuberg die neue Alb-Kaserne, in der von nun an zahlreiche Standorttruppen untergebracht waren. So zum Beispiel das Fallschirmjägerbataillon 291, das Versorgungsbataillon 296, die Panzerbataillone 293 und 294 sowie das Feldjägerbataillon 750. Die französischen Soldaten blieben im Lager Heuberg im sogenannten Quartier de Reboul.
Die deutsche Wiedervereinigung im Jahr 1990 sorgte dafür, dass in den folgenden Jahren immer weniger Soldaten in der militärischen Liegenschaft ihren Dienst versahen, sodass zeitweise eine Schließung der Garnison im Gespräch war. Die Lage verschärfte sich Ende Juli 1997, als nach 51 Jahren die Franzosen das Lager Heuberg verließen. Rund 950 Soldaten des 3e Régiment de Dragons (3. Dragonerregiment) kehrten in ihre Heimat zurück.
Knapp elf Jahre später, im Frühjahr 2008, ging eine weitere Ära zu Ende. Das Panzergrenadierbataillon 294, das als Panzerbataillon 294 vor einem halben Jahrhundert als erster Bundeswehrverband nach Stetten am kalten Markt gekommen war, wurde nach 50 Jahren am Standort aufgelöst. Bis zuletzt pflegten die Soldaten eine Patenschaft mit der Garnisonsgemeinde Stetten am kalten Markt.
Mitte Oktober 2010 feierte die Bundeswehr den 100. Geburtstag des Truppenübungsplatzes mit einem Großen Zapfenstreich. Festredner war der 12. Bundestagspräsident Norbert Lammert.
Der Strukturreform der Bundeswehr 2011 war es zu verdanken, dass der Standort nicht geschlossen wurde. Er wurde im Laufe der Zeit mit neuen Verbänden und Einheiten gestärkt und die Infrastruktur ausgebaut. Im Frühjahr 2015 zog die 250-köpfige Panzerpionierkompanie 550 und im Jahr darauf 800 Soldaten und Soldatinnen des Artilleriebataillons 295 nach Stetten am kalten Markt. Sie hatten ihre bisherige militärische Heimat in Immendingen (Landkreis Tuttlingen) aufgeben müssen.
Heute befinden sich im Lager Heuberg und der Alb-Kaserne rund zwei Dutzend größere und kleinere Dienststellen. Von den rund 3000 Soldaten, Soldatinnen, Lehrgangsteilnehmenden und Zivilbediensteten gehören die meisten, inzwischen 830, zum Artilleriebataillon 295.
Außerdem ist dort die Kampfmittelabwehrschule stationiert, die als zentrale Ausbildungseinrichtung für Kampfmittelabwehrkräfte der Bundeswehr einzigartig ist. Ein Alleinstellungsmerkmal haben auch die großflächigen Anlagen der Schule ABC-Abwehr und Gesetzliche Schutzaufgaben, die in Stetten am kalten Markt zentral alle Feuerwehren der deutschen Streitkräfte ausbildet. Das Zentrum Brandschutz der Bundeswehr, Feuerwache Heuberg, ist ebenfalls in der Garnison untergebracht.
Weitere Einheiten sind zum Beispiel die zweite Kompanie des Feldjägerregiments 3 sowie die fünfte Kompanie des Jägerbataillons 292.
Der Truppenübungsplatz Heuberg, der direkt ans Lager Heuberg beziehungsweise an die Alb-Kaserne grenzt, ist der einzige in Baden-Württemberg. Soldaten und Soldatinnen aus ganz Deutschland, Einsatzkräfte der Bundes- und Landespolizei sowie des Zolls kommen auf das knapp 4800 Hektar große Gelände auf dem Heuberg zum Üben. Pro Jahr sind es bis zu 20.000 Nutzer, darunter auch Armeen befreundeter NATO-Partner.
Auf zwölf Gefechts- und Schulschießbahnen kann mit Hand-, Maschinen-, Panzerabwehrhand- und Granatmaschinenwaffen sowie mit Bordmaschinenkanonen bis 20 Millimeter geschossen werden. Außerdem gibt es Feuerstellungen für Mörser 120 Millimeter und Panzerabwehrlenkflugkörper, einen Handgranatenwurfstand, modernste Sprengplätze und Schulschießbahnen für Hand- und Panzerabwehrhandwaffen. Zudem sind Areale ausgewiesen, auf denen die Männer und Frauen in Uniform mit pyrotechnischer Munition üben.
Auf dem Übungsplatz gibt es eine Panzerüberrollbahn, ein Übungsgelände für Pioniere und die Kraftfahrausbildung, eine Dekontaminationsanlage, ein Ausbildungsareal mit Waggons der Deutschen Bahn sowie eine Hindernisbahn.
Für die Standorttruppe steht der zum Truppenübungsplatz benachbarte Standortübungsplatz mit einer Größe von 123 Hektar zur Verfügung, den es seit Anfang der 1960er-Jahre gibt.
Am Freitag, 21. November 2025 wurde die Führung der Kampfmittelabwehrschule Stetten am kalten Markt von Oberst Michael Frick an Oberst Andreas Heselschwerdt übergeben.
Als quasi letzte Amtshandlung von Oberst Michael Frick (Bildmitte rechts) war es diesem vorbehalten, die Patenschaft der Kampfmittelabwehrschule Stetten am kalten Markt mit der Gemeinde Stetten am kalten Markt an Bürgermeister Maik Lehn (Bildmitte links) formell auszusprechen.
Standortältester in Stetten am kalten Markt
Nein, der Standortälteste ist nicht der älteste Soldat am Standort. Auch nicht derjenige, der am längsten am Standort seinen Dienst verrichtet. Der Standortälteste ist vielmehr für alle militärische Liegenschaften in seinem Bereich zuständig. Außerdem ist er erster Ansprechpartner in allen Angelegenheiten der Bundeswehr vor Ort. Zudem ist der Standortälteste Kontaktperson für die Truppenteile und militärischen Dienststellen eigener, verbündeter und befreundeter Streitkräfte.
Ihm zur Seite steht das Unterstützungspersonal Standortältester. Außerdem der jeweilige Kasernenkommandant der Alb-Kaserne, der Truppenunterkunft Lager Heuberg sowie der des Radarstandorts Einsatzführungsbereich 2 in Meßstetten im Zollernalbkreis.
Der Standortälteste repräsentiert die Bundeswehr am Standort bei wichtigen Anlässen in der Öffentlichkeit. Er kümmert sich um stationierungsrelevante Angelegenheiten und koordiniert die Einsätze der Soldaten bei Hilfeleistungen nach Naturkatastrophen oder schweren Unglücksfällen.
Viele Bürger kennen sein Gesicht von einer der öffentlichen Veranstaltungen der Bundeswehr in der Region, für die er ebenfalls verantwortlich ist. So zum Beispiel beim jährlichen Neujahrsempfang oder bei den Adventskonzerten in der Garnisonsgemeinde Stetten am kalten Markt.
Von 1960 bis 2015 war der jeweilige Kommandant des Truppenübungsplatzes Heuberg der Standortälteste, danach einmalig der Leiter des Sanitätsunterstützungszentrums Stetten am kalten Markt. Seit Mitte 2016 übernimmt dieses Amt der jeweilige Leiter der Kampfmittelabwehrschule. Aktuell ist das Oberst Andreas Heselschwerdt.
Stand: 2026 / Text von: Oberstleutnant Joachim Lenk




